Freiheit für Geodaten-Infrastrukturen - Die Umsetzung der Spezifikationen des Open GIS Consortiums mit Freier Software
Die GIS-Bestände in den öffentlichen Verwaltungen und in Unternehmen sind über viele Jahre hinweg heterogen gewachsen. Unterschiedliche Strukturen und Datenformate in verschiedenen Abteilungen, Kommunen etc. erschweren den Austausch und die Vernetzung der Geodaten. Die Lösung: Eine Zwischenschicht mit den Schnittstellen-Standards des Open GIS Consortiums (OGC) erlaubt einer Anwendungsschicht einen einheitlichen Zugriff auf heterogene Datenbestände. Der Vortrag stellt dar, dass unter GNU/Linux mit Freier Software eine elegante Realisierung für standardisierten Datenaustausch möglich und leistungsfähig ist. Der Vortrag beginnt mit theoretischen Überlegungen zur Klärung des Begriffs der Geodaten-Infrastruktur. Danach werden die wichtigsten Spezifikationen des OGC im Überblick vorgestellt. Ziel dieser Spezifikationen ist es, Schnittstellen zu definieren, die den Austausch von Geodaten, deren Darstellung in Form von Karten und Metadaten unabhängig von den eingesetzten Software-Komponenten ermöglichen. Damit wird der Aufbau von Geodaten-Infrastrukturen auch in heterogenen Umgebungen möglich. Im zweiten Teil des Vortrages werden zunächst diejenigen Freie Software Komponenten unter GNU/Linux vorgestellt, die einige oder alle OGC-Spezifikationen umsetzen. Ein Schwerpunkt wird dabei auf Software gelegt, die Austausch-Dienste bereit stellt (Server-Seite), während die Anwendungssoftware eher im Überblick dargestellt wird. Dabei erhält die Vorstellung des Deegree-Projektes ein besonderes Gewicht. Ziel dieses Projektes ist es, alle Spezifikationen des OGC zu implementieren. Deegree ist die umfassendste Freie Software für den Einsatz in Geodaten-Infrastrukturen. Die gewonnenen Erkenntnisse werden anhand von Beispielen aus der Praxis veranschaulicht. Damit soll die Praxistauglichkeit der OGC-Spezifikationen aufgezeigt werden. Gleichzeitig wird damit der Stand und die Leistungsfähigkeit von Freier Software auf GNU/Linux-Basis im professionellen Einsatz demonstriert. Anhand der Beispiele soll aber auch gezeigt werden, wo die Grenzen der Anwendbarkeit von OGC-Spezifikationen unabhängig von der gewählten Software liegen
Silke Reimer ist Diplom-Systemwissenschaftlerin. Nach Beendigung
ihres Studiums 2001 wurde sie bei der Intevation GmbH angestellt,
für die sie seitdem Projekte im Geschäftsbereich GIS betreut und
entwickelt. Schwerpunktmäßig sind dies Projekte aus dem Bereich
Webmapping und Geodateninfrastruktur. In diesem Zusammenhang hat
sie Vorträge auf verschiedenen deutschen
UMN MapServer-Nutzertreffen u.a. Konferenzen gehalten.
Seit 2000 arbeitet Silke Reimer im FreeGIS-Projekt mit. Seit
einiger Zeit bemüht sie sich verstärkt, Freie GIS-Software in
der Debian-Distribution zu fördern und betreut in diesem
Zusammenhang auch zwei Pakete. Zur Zeit durchläuft sie den
Bewerbungs-Prozess für Debian-Maintainer.