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Freie Software im Vormarsch in Lateinamerika

Federico Heinz


Zusammenfassung

"In Lateinamerika bewegt sich in Sachen freier Software seit einigen Jahren vieles. Schon lange vor Dr. Villanuevas berühmten Brief an den damaligen Geschäftsführer der peruanischen Microsoft-Zweigstelle wurde freie Software im brasilianischen Staat Rio Grande do Sul ganz groß geschrieben. Der peruanische Gesetzesentwurf stammte nicht mal aus Peru, sondern aus Argentinien, wo eine Gruppe interessierter Personen den Text in einer mailling-List ("proposicion", http://www.proposicion.org.ar) und ganz nach der "Bazaar"-Entwicklungsmethode "zusammengehackt" haben, und zwar für das Projekt des argentinischen Abgeordneten Dragan. Seitdem sind Gesetzesentwürfe nach dem "proposicion"-Vorbild in vielen Ländern Lateinamerikas in der Diskussion - dies gilt auch für andere Kontinente. Selbst in Europa hat die "FLOSS-Studie" der Universtät Maastricht diesen Text für die EU-Mitgliedsstaaten als Vorbild empfohlen. Bedenkt man, daß lateinamerikanische Länder vorwiegend zu den Armen der Welt zählen, so ist es besonders bemerkenswert, daß die treibende Kraft hinter dieser ganzen Bewegung nicht der vermutlich "geringere Preis" der freien Software ist, sondern die Freiheit selbst. Natürlich spielt z.B. in Uruguay die Tatsache, daß man nicht unbedingt anderthalb Rinder exportieren muß, ehe man einen einzigen Computer mit Textverarbeitung und Tabellenkalkulation austatten kann, eine wichtige Rolle. Aber kein Mensch macht sich hier vor, freie Software wäre umsonst. Aus unserer jungen Geschichte, und gar aus unserem Alltag wissen wir, daß Freiheit selten billig zu erkaufen ist. Derzeit gibt es viele internationale Initiativen, um armen Länder das Überbrücken der "digitalen Kluft" zu erleichtern. Milliarden werden investiert, um möglichst vielen Leuten aus aller Welt den Zugriff auf digitale Technologien zu ermöglichen. Schaut man sich diese Initiativen aber etwas genauer an, dann wird sehr schnell klar, daß es sich um schlecht getarnte Markteroberungsstrategien handelt, die Nationen streng in Konsumenten und Erzeuger trennt: die Konsumenten sollen Zugriff auf Inhalte haben können, denn sonst kann man ihnen keine verkaufen. Dieser Zugriff soll aber möglichst so geschaffen sein, daß er in der Kontrolle der Erzeuger bleibt, damit die Konsumenten nie ihre eigenen Technologien entwickeln. Gerade diese ewige Abhängigkeit zu brechen ist das große Versrpechen der freien Software für die Armen der Welt: mit freier Software können wir uns die Technologie aneignen, sie an unsere Bedürfnisse anpassen, Technologie warten, verbessern, und Neue erzeugen. Mit freier Software können wir sicher sein, daß unser Kulturgut auf dem Weg ins Digitale nicht verlorengeht, das Gedächtnis unserer Gesellschaft uns nicht weggenommen werden kann, und daß unsere Werkzeuge tatsächich uns gehören und gehorchen, nicht irgendwelchen transnationalen Korporationen. In allen Länder Lateinamerikas gibt es heute Initiativen für die Verbreitung und Entwicklung freier Software. Manche dieser Initiativen werden von gemeinnützigen Vereinen und andere privaten Organisationen getragen, andere werden vom Staat selbst gefördert, andere bekommen Aufschub aus internationale Organisationen wie UNESCO. Zusammengenommen, sie lassen auf eine glänzende Zukunft für freie Software in Lateinamerika blicken, die hoffentlich einen Beitrag zur Erleichterung der sozialen, kulturellen, politischen und ökonomischen Umständen der Region leisten wird. Der Weg, wie üblich wenn Freiheit und Unabhängigkeit am Spiel sind, wird nicht einfach sein, und es ist mit vielen Stolpersteinen zu rechnen. Aber die beste Autobahn der Welt nützt nichts, wenn sie nicht zum Ziel führt.

Über Federico Heinz

Federico ist ein lateinamerikanischer Programmierer, Aktivist fur freie Software und Mitgründer der Vía Libre Stiftung, die sich für die freie Verbreitung von Information und Wissen als Motor für den sozialen Fortschritt und die nachhaltige Entwicklung einsetzt. Er berät Organisationen und Gesetzgeber aus ganz Lateinamerika über die Wechselwirkung zwischen Technologie und Gesellschaft. Als solcher ist er Mitverfasser des Gesetzesentwurfs, der als Vorlage für Projekte wie das des peruanischen Abgeordneten Villanueva, des Senators Conde aus der Provinz Buenos Aires und viele andere. Außerdem referiert er bei vielen internationalen Veranstaltungen zum Thema "freie Software", und nimmt oft auch an deren Organisation teil.

Vortragsunterlagen

 
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